Demetrius Degen - Seminarleiter und Autor


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Einführung zu Lao-Tse
Der königliche Weg von Lao - Tse

Zum Daoismus IDer Weg des Wassers
Kulturelle und spirituelle Wurzeln OstasiensDer Daoismus II



Der Daoismus oder Taoismus

Lao - Tse

Chinesischer Philosoph und religiöser Reformer
geboren um 4. Jh. v.Chr.
(chinesisch "Alter Meister") 
eigentlich: Li-Po-Yang; 
neben Konfuzius die bedeutendste Persönlichkeit in der Geistesgeschichte Chinas; lebte vermutlich in der 2. Hälfte des 4. Jh.s v.Chr., war Reichsgeschichtsschreiber am kaiserlichen Hof und zog sich angesichts großer Not und sittlichen Verfalls in die Einsamkeit zurück, um zu meditieren; die politischen und bürgerlichen Tugendideale des Konfuzius verachtete er. 
Im Taoteh-king (etwa: "Buch von der Gottheit und der Tugend") lehrt er individuelle Selbstbesinnung und allgemeine Menschenliebe, das Heil läge im Einswerden mit dem allwaltenden Tao (verstanden als ein pantheistisches Weltwesen) und die Tugend im "Sein" statt im "Handeln". Der spätere Taoismus hat nur noch wenig mit ihm gemein.

Daoismus
auch: Taoismus; 

chinesische Volksreligion mit magischen Elementen; ursprünglich ein philosophisches System, das besagt, dass alle Dinge trotz ihrer Vielfalt einer mystischen Einheit entspringen und sich am Ende auch wieder in dieser Ganzheit auflösen.

Zum Daoismus Texte (im Aufbau)

Legende von der Entstehung des Buches Taoteking auf dem Weg des 
Laotse in die Emigration

Als er siebzig war und war gebrechlich  Drängte es den Lehrer doch nach  Ruh  Denn die Güte war im Lande wieder einmal schwächlich  Und die Bosheit nahm an Kräften wieder einmal zu.
Und er gürtete den Schuh. Und er packte ein, was er so brauchte: Wenig.
Doch es wurde dies und das. So die Pfeife, die er immer abends rauchte 
Und das Büchlein, das er immer las. Weißbrot nach dem Augenmaß.
Freute sich des Tals noch einmal und vergaß es Als er ins Gebirg den Weg einschlug. Und sein Ochse freute sich des frischen Grases Kauend, 
während er den Alten trug. Denn dem ging es schnell genug.
Doch am vierten Tag im Felsgesteine  Hat ein Zöllner ihm den Weg 
verwehrt: „Kostbarkeiten zu verzollen?" - „Keine." Und der Knabe, der 
den Ochsen führte, sprach: „Er hat gelehrt."
Und so war auch das erklärt.
Doch der Mann in einer heitren Regung  Fragte noch: „Hat er was 
rausgekriegt?" Sprach der Knabe: „Daß das weiche Wasser in Bewegung 
Mit der Zeit den mächtigen Stein besiegt. Du verstehst, das Harte 
unterliegt." Daß er nicht das letzte Tageslicht verlöre  Trieb der Knabe 
nun den Ochsen an  Und die drei verschwanden schon um eine schwarze 
Föhre Da kam plötzlich Fahrt in unsern Mann  Und er schrie: „He, du! 
Halt an! Was ist das mit diesem Wasser, Alter?"  Hielt der Alte: 
„Intressiert es dich?"  Sprach der Mann: „Ich bin nur Zollverwalter  Doch 
wer wen besiegt, das intressiert auch mich. Wenn du's weißt, dann sprich!
Schreib mir 's auf! Diktier es diesem Kinde! So was nimmt man doch 
nicht mit sich fort. Da gibt's doch Papier bei uns und Tinte Und ein 
Nachtmahl gibt es auch: ich wohne dort.
Nun, ist das ein Wort?" Über seine Schulter sah der Alte Auf den Mann: 
Flickjoppe. Keine Schuh.  Und die Stirne eine einzige Falte.  Ach, kein 
Sieger trat da auf ihn zu. Und er murmelte: „Auch du?" Eine höfliche 
Bitte abzuschlagen  War der Alte, wie es schien, zu alt. Denn er sagte laut:
„Die etwas fragen Die verdienen Antwort."  Sprach der Knabe: „Es wird 
auch schon kalt."
„Gut, ein kleiner Aufenthalt."
Und von seinem Ochsen stieg der Weise  Sieben Tage schrieben sie zu zweit 
Und der Zöllner brachte Essen (und er fluchte nur noch leise Mit den 
Schmugglern in der ganzen Zeit).
Und dann war's soweit.
Und dem Zöllner händigte der Knabe  Eines Morgens einundachtzig 
Sprüche ein. Und mit Dank für eine kleine Reisegabe  Bogen sie um jene 
Föhre ins Gestein. Sagt jetzt: kann man höflicher sein?
Aber rühmen wir nicht nur den Weisen  Dessen Name auf dem Buche 
prangt!  Denn man muß dem Weisen seine Weisheit erst entreißen. 
Darum sei der Zöllner auch bedankt:  Er hat sie ihm abverlangt.
 

(Bertolt Brecht)
   

Der Weg des Wassers

Chinesische Philosophen begannen im 4. und 5 Jahrhundert v.Chr. Gedanken und eine Lebensweise zu beschreiben, die später unter den Namen Daoismus bekannt wurde - der Weg des Wassers.
Im mittelpunkt dieser Philosophie stand die Beziehung des Menschen zur Welt und sein kooperativer Umgang mit der Natur.
Für die Daoisten war das Universium untrennbar von ihrem Selbst. So sagten sie : zB " Hebe einen Grashalm auf und du hast die ganze Welt in deinen Händen. " Mit anderen Worten, der ganze Kosmos spiegelt sich wieder in jedem seiner Teile und jeder Ort kann als sein Mittelpunkt gesehen werden. Das bedeuted, daß das Leben des Menschen nicht als eine Kriegsführung gegen die Natur aufgefasst werden kann.
Vielmehr ist es notwendig, die Winde, die Gezeiten, die Strömungen, die Jahreszeiten und das Prinzip des Lebens zu verstehen, welches Werden und Vergehen heißt. Deshalb muß jegliches Tun im Übereinstimmung mit den Naturgesetzen geschehen und nicht gegen sie.
Was die Daoisten vor so langer Zeit zu sagen hatten, hat auch heutzutage noch Gültigkeit. Gerade in unser Zeit könnte diese Philosophie noch wichtiger sein als damals. Denn während wir in uns dem 21 Jahrhundert nähern, müssen wir - manchmal schon zu spät - erkennen, daß alle unsrere Bemühungen, die "Welt zu verbessern", verheerende Folgen für uns und unsere Umwelt hatten.
Deshalb müssen wir, wie die Daoisten einst, beginnen, das Leben als einen Teil des allumfassenden Seins zu verstehen und nicht als etwas davon Getrenntes oder gar Entgegengesetzes. Wenn wir diese Philosophie hinsichtlich der Bedürfnisse und Probleme der modernen Zivilisation untersuchen, dann stellen wir fest, daß uns gelehrt wird, den Naturgesetzen und ihrem innewohnenden Rythmus zu vertrauen und so Harmonie und Ausgeglichenheit zu erlangen.
Denn letztendlich ist unser aller "Selbst" untrennbar mit dem Kosmos verbunden und noch gibt es keinen Ort, an dem wir leben können.

 

Kulturelle und spirituelle Wurzeln Ostasiens

Drei große Religionen (Geistesströmungen) entwickelten sich in Ostasien: der Daoismus, der Konfuzianismus und der Shintoismus. Der Daoismus und der Konfuzianismus entstanden ursprünglich in China und breiteten sich später dann auch nach Korea und Japan aus. Der Shintoismus hingegen ist japanischen Ursprungs. Und der Buddhismus, von Indien ausgehend, gelangte auch nach Ostasien, gewann dort große Bedeutung und Verbreitung und vermischte sich auf mannigfaltige Art mit den dort ursprünglichen Traditionen.

Alle religiösen Entwicklungen in China, Korea und Japan sind vom Geist schon sehr früh bestehender Urreligionen durchdrungen, insbesondere vom Ahnenkult, demzufolge die Geister der Ahnen eine Zeitlang sehr eng mit den noch lebenden Nachfahren verbunden bleiben. Vor allem dem Urahn und den kürzlich Verstorbenen sind deshalb durch Bestattung, Trauerriten und fortgesetzte Opfer Respekt zu erweisen. Die heiligen Rituale (chinesisch: Li) sind notwendig, damit die Ahnen ihren Nachfahren beistehen. Umgekehrt, im Falle von Vernachlässigung würden sie hingegen Schwierigkeiten bereiten.

Neben dem Ahnenkult gab (und gibt) es noch Schreine und Tempel für Naturgeister, aber auch für charismatische Persönlichkeiten, die trotz ihres Todes den Menschen hilfreich zur Seite stehen. So wurde schon von alters her Shang-ti als Beherrscher des Universums verehrt. Er galt als der höchste Vorfahr der Chinesen, dem die für das örtliche Umfeld zuständigen Gottheiten untergeordnet waren. 

Neben der Verehrung von persönlichen Wesenheiten glaubt man in China schon von alters her daran, dass der Kosmos nicht das Werk eines Schöpfers ist, sondern die Manifestation einer selbsterzeugenden Kraft (chinesisch: Qi). Diese Kraft hat zwei Aspekte – Yin und Yang –, deren Wechselwirkung den ständig sich wandelnden Phänomenen des Kosmos zugrunde liegen. Weisheit bedeutet deshalb den traditionellen Chinesen, das stets sich wandelnde, doch regelmäßige und ausgewogene Muster des Universums, den Rhythmus des Dao )"Weg") zu erkennen und sich ihm anzupassen. Indem sie die Wege der Menschen und der Natur studierten und systematisierten. versuchten sie ihr Handeln ordnen, um in einem sich wandelnden Kosmos einen klaren Weg gehen zu können. Sie erkannten, dass jede extreme Handlung als ausgleichende Reaktion ihr Gegenteil bewirkt, weshalb sie einen Mittelweg der Umsicht und Mäßigung anstrebten.  

Der Daoismus

                                     Der chinesischen Überlieferung zufolge hat der Gelbe Kaiser den Daoismus begründet und bekannt gemacht. Nachdem er bei einem alten Weisen studiert hatte, entwickelte er daoistische meditative, alchimistische und medizinische Prinzipien und Praktiken. Nach hundertjähriger Herrschaft (von 2697 bis 2597 vor Christi Geburt) stieg er auf dem Rücken eines Drachens in den Himmel auf und
wurde einer der Unsterblichen.

Die Wurzeln des Daoismus liegen, so Zhuangzi, der etwa 370 bis 280 vor Christi Geburt lebte, im "Zeitalter der vollkommenen Tugend". In dieser Zeit lebten die Menschen mit den Tieren und Vögeln wie Mitglieder einer großen Familie. Alle - Mensch und Tier - besaßen natürliche Tugend und lebten in einem Zustand reiner Einfachheit. Die Menschen lebten in Einklang mit sich selbst, der Welt und den
anderen Lebensformen (die sie als ihre Lehrer und Freunde betrachteten). Daher hinterließen ihre Handlungen auch keine Spuren, so dass wir heute für ihre Existenz keine greifbaren Belege mehr haben.

Zunächst noch ganz allmählich, dann aber immer stärker begann das menschliche Ego zu wachsen und Ansprüche zu stellen. Dadurch kam es in der Folge, gewissermaßen nach vielen "unerfreulichen Zwischenfällen", zur "Großen Trennung". Die bislang nahezu telepathische Verbindung zwischen dem Mensch und der Welt um ihn wurde unterbrochen.

Nun so auf sich gestellt - entfremdet von der Welt, aus der er entstanden war, getrennt von der unermesslichen Fülle -, war der Mensch nicht mehr glücklich. Und da er nicht mehr in der Lage war zu hören, was die anderen Lebensformen ihm sagten, konnte er nur noch versuchen, sie durch ihre Verhaltensweisen zu verstehen - die er aber häufig missdeutete. 

Die Trennung wurde immer größer, so dass die Menschheit schließlich ein unglückliches Dasein führte. Schließlich wurden deshalb vollkommene Wesen in Menschengestalt geboren, die die vergessenen Wahrheiten lehrten. Doch die Menschen waren in ihrem Wesen so gespalten und den universalen Gesetzen der natürlichen Welt gegenüber so unempfänglich geworden, dass sie diese Wahrheiten nur teilweise verstanden.

Die Erinnerung an die "Große Trennung" und das "Vollkommene Zeitalter", das zuvor existiert hatte, wurde von den Weisen wachgehalten, und etliches des Verständnisses, der Fähigkeiten und der Praktiken, die aus der Zeit vor der "Großen Trennung" stammten, blieben erhalten und wurden von Generation zu Generation - in China durch den Daoismus - weitergegeben.

Seit der "Großen Trennung" beschäftigen sich die Daoisten damit, wieder den Zustand der "vollkommenen Tugend" zu erreichen, indem sie alles abzustreifen trachten, was die Harmonie mit dem Dao verhindert.
 

 

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