Demetrius Degen - Seminarleiter und Autor


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Informationen zum Christentum
Das Evangelium von Matthäus.


Die Symbolik des Jesus Christus in der Bibel

Ursprung des Christentums:Geschichte des Christentums:jüdische Religion
Bibel [griech. biblion Buch] Jesus von NazarethDie Geschichtlichkeit von Jesus
Außerchristliche QuellenJüdische HistorikerJesus ChristusKanon
KircheBekenntnisGeschichte des ChristentumsChristenverfolgungen
Konstantin I. (Rom)SchismaKatholische KircheOrthodoxe Kirche
Reformation (Kirche)Geistige VoraussetzungenDie Reformation
Die VerbreitungDie lutherische KonfessionDie reformierte Konfession
Die katholische KonfessionDreifaltigkeitDie Dreifaltigkeit in Indien
Die christliche DreifaltigkeitDie Dreifaltigkeit in der religiösen Kunst
Altes TestamentTora"Propheten"EntstehungBedeutung
Psalmen
Neues TestamentEvangelienEntstehungBedeutung
Aufbau und InhaltApostelgeschichteBriefeApokalypse

Liebesbrief von Gott:


Einführung in das Christentum

Das Christentum:

die von Jesus von Nazareth - genannt Christus - zur Zeitenwende gestiftete Religion. Die nach Anhängerschaft größte und religionsgeschichtlich zweitälteste der drei großen monotheistischen Weltreligionen ist in Erfüllung der Verheißungen des Alten Testaments aus der jüdischen Religion hervorgegangen, doch gleichzeitig als Offenbarungsreligion etwas grundsätzlich Neues.
Durch die Apostel (vor allem Paulus) zunächst im östlichen Mittelmeerraum bis Italien verbreitet; entwickelte sich aus den verstreuten Gemeinden des Urchristentums im Rahmen des übernationalen römischen Imperiums zur Weltkirche, in seiner Ausbreitung gefördert durch die Jenseitsgerichtetheit und das Erlösungsbedürfnis der Spätantike sowie durch die werbende Kraft der Blutopfer seiner Märtyrer (Christenverfolgungen); gehemmt noch bis ins 4. Jh. durch das Misstrauen des römischen Staates, durch innere Auseinandersetzungen (Arianismus/Athanasius) und die Rivalität der anderen großen Weltreligionen und philosophischen Systeme der ausgehenden Antike (Mithra). Dabei formte sich das Christentum auch als Geistes- und Bildungsmacht in der Begegnung mit dem Hellenismus; andererseits enge Verbindung mit dem römischen Staats- und Rechtsdenken durch die Erhebung zur Staatsreligion bzw. Reichskirche unter Kaiser Theodosius I. 391. 
Im Kampf um den Primat (geistliche Vorrangstellung) setzte sich der Bischof von Rom 451 (Reichskonzil zu Chalcedon) gegen Konstantinopel durch; die Taufe des Merowingerkönigs Chlodwig I. (496) führte die römische Kirche auf den Weg der mittelalterlichen Staats- und Reichskirche; die Rivalität Rom-Byzanz aber, dogmatisch vertieft, führte 1054 zur Kirchenspaltung (Schisma): Teilung in ein abendländisches (römisch-katholisches) und morgenländisches (griechisch-orthodoxes) Christentum.
Die Reformation (seit 1517) verursachte eine erneute Glaubensspaltung in der christlichen Kirche und sprengte die Einheit der mittelalterlichen Welt in Europa, die aus der Aneignung des Christentums und der von ihm religiös unterbauten universalen Reichsidee durch die germanisch-romanische Völkerwelt erwachsen war (> Luther, Zwingli, Calvin, Anglikanische Kirche).
Subjektive Auslegung der christlichen Lehre führte zur weiteren Aufsplitterung in Freikirchen und Sekten (vor allem auf protestantischer Seite); die christliche Ständeordnung wurde gleichzeitig abgelöst von der modernen Gesellschaftsordnung (Aufklärung, Französische Revolution), womit das Christentum als beherrschende Lebensmacht (z.B. in der Wirtschaftsauffassung) ausgeschaltet werden sollte.
Parallel zu der von den Kirchen bekämpften "Entchristlichung" des Abendlandes ("Religion Privatsache", Christentum in den meisten Ländern nicht mehr Staatsreligion) lief die Ausbreitung des Christentums in der "Neuen Welt" und großen Teilen Afrikas und Asiens. Als Weltreligion von rund 1,7 Milliarden Menschen, gehören etwa 60 % der römisch-katholischen Kirche, 25 % den evangelischen Kirchen (einschließlich der Anglikaner) und 15 % der orthodoxen und orientalischen Kirche an.
Dogmatisch beruht das Christentum auf dem Glauben an den einen, persönlichen Gott als Urheber und Ziel der Schöpfung, an den Messias Jesus Christus, der zur Aussöhnung der sündigen Menschheit mit Gott in die Welt kam, den Opfertod starb und seine göttliche Natur durch Wunder und Auferstehung bewies, und an die durch ihn verdiente göttliche Gnade, die dem Menschen durch Sakramente, Gebet usw. zugewandt (katholisch) bzw. verheißen (protestantisch) wird, um sie zum ewigen Heile (Anschauung Gottes im Jenseits) zu führen. 
Sittenlehre: Prinzip der Gottes- und Nächstenliebe, Pflichten der Menschen gegen Gott (Gottesfurcht und -verehrung), gegen sich selbst (Selbstvervollkommnung) und gegen die Mitmenschen (Rechts- und Liebespflichten); dargestellt im Neuen Testament in der Bergpredigt und in zahlreichen Gleichnissen.
 

1. Ursprung des Christentums:

Die Wurzeln des Christentums liegen in der jüdischen Religion. Denn der christliche Glaube geht auf den Juden Jesus von Nazareth zurück (ca. 4 v. Chr. Bis 33 n. Chr.). Nach der Überlieferung der Bibel war er ein Wanderprediger, der Jünger um sich scharte, lehrte, kranke heilte und sich Armen und Ausgegrenzten zuwandte.
Jesus verkündete den Anbruch des nahen Gottesreiches und forderte die Menschen zu radikaler Umkehr auf (Gebot der Gottes- und Nächstenliebe). Vermutlich wurde er als Aufrührer verdächtigt und geriet deshalb in Konflikt mit den damaligen römischen und jüdischen Machthabern. Der römische Stadthalter Pontius Pilatus verurteilte Jesus zum Tode durch Kreuzigung.

Die ersten Christen waren Juden, die den gekreuzigten Jesus als den auferstandenen Christus und Sohn Gottes bezeugten. Diese Auffassung führte zur Loslösung vom jüdischen Glauben. Mit dem Christentum bildete sich eine neue, eigenständige Religion heraus, die eine eigene Gestalt – Kanon, Kirche, Traditionen und Bekenntnisse – entwickelte.

 




2. Geschichte des Christentums:

Entscheidend für die Entwicklung des Christentums hin zur Weltreligion waren vor allem folgende Gründe:
Zum einen bildete die noch junge Religion sehr schnell feste Formen aus, so etwa die Kirche mit unterschiedlichen Ämtern, dem Kanon, der heiligen Schrift (Bibel) und Bekenntnisse. Zum anderen entfalteten die ersten Christen eine rege Missionstätigkeit, die sie auf den Auftrag des auferstandenen Jesus Christus zurückführten. So wurden in den ersten 4 Jahrhunderten n. Chr. Die Mittelmeerländer missioniert.

Nach der Christenverfolgung vom 1. Bis zum 3. Jahrhundert wurde der Christliche Glaube unter Kaiser Konstantin I. im 4. Jahrhundert n. Chr. Offizielle Staatsreligion des römischen Reiches. In der Folgezeit breitete sich das Christentum über ganz Europa aus: Im Mittelmeer prägte es das „christliche Abendland“ mit seiner engen Verbindung von weltlicher und geistlicher Macht und Kultur.

Das Schisma von 1054 führte zur Teilung der römisch-katholischen und orthodoxen Kirche. Die Reformation im 16. Jahrhundert brachte eine weitere Aufsplitterung in einzelne evangelische Glaubensgemeinschaften.

Im Zuge des Konolialismus und des Imperialismus gelangte das Christentum auch nach Amerika, Afrika und Asien. Im Gefolge der Aufklärung und der daraus resultierenden Säkularisierung hat der christliche Glaube in den westlich geprägten Gesellschaften seinen Absolutheitsanspruch verloren.

In der Gegenwart gibt es einen erneuten Drang zur christlichen Einheit. So etwa in der ökomenischen Bewegung im Weltkirchenrat oder im 2. Vatikanischen Konzil (1962-1965)

Doch jetzt (2000) hat die katholische Kirche wieder die ALLEINIGE HEILSMACHUNG für SICH beansprucht.
 
 




3. jüdische Religion

Das Judentum, die allen Juden gemeinsame Religion, basiert auf folgenden Glaubensüberzeugungen: Glaube an einen allmächtigen Gott, an das Kommen des Messias und die Errichtung eines Reichs von Friede, Liebe, Recht als Schöpfungsziel. Besonders wichtig ist der  Gehorsam gegenüber der Tora ("Weisung"). Allerdings ist dieser Gehorsam nicht Voraussetzung für das Verhältnis zwischen Gott und Mensch, vielmehr die Folge der Erwählung. Die Weisung wird deshalb als gute Gabe Gottes verstanden. Ihre Quelle ist die hebräische  Bibel, insbesondere die fünf Bücher Mose (Pentateuch), aber auch die Schriften der Propheten sowie die Geschichtsbücher, die zusammen den TeNaCh bilden (Tenach = Tora, Neviim, Chetuvim). 
Zentrum des Gottesdienstes, für den zehn religionsmündige Teilnehmer erforderlich sind, ist die Synagoge neben der häuslichen Liturgie, wöchentlicher Festtag absoluter Ruhe der Sabbat (Sonnabend).

Feste
Jahresfeste sind Passah, Laubhüttenfest, Rosch Haschana  (Neujahr), Jom Kippur (Versöhnungstag), Chanuka (Einweihungsfest, zur Erinnerung an die erneute Weihung des Tempels im Jahre 163 v.Chr.), Purim. 

Ausbildung
Zur Ausbildung gehört im Judentum seit mehr als zweitausend Jahren die Unterweisung im Schreiben, Lesen und Rechnen. Diese Fähigkeiten wurden ursprünglich anhand der Texte der hebräischen Bibel (Tora) erlernt. Mit etwa zwölf Jahren ist ein jüdischer Junge nach der Bar Mizwa (wörtl. Sohn des Gebots) religionsmündig. Bei Mädchen wird die Bath Mizwa gefeiert.

Einhaltung der Gebote
Orthodoxe Juden beachten auch heute noch die Speisegesetze, das Essen koscherer Speisen, das Schächten von Schlachttieren und die Einhaltung der rituellen Gebote sowie die Gebote über die Verhaltensweisen gegenüber den Mitmenschen.
In Israel selbst gibt es große Diskrepanzen zwischen orthodoxer Auffassung der Gebotseinhaltung und der säkularen Praxis, die von vielen geübt wird.

 



4. Bibel [griech. biblion Buch]

Als Bibel bezeichnet man die religiöse Urkunde des Christentums, die "Heilige Schrift des Alten und des Neuen Testaments". Das Alte Testament ist dabei identisch mit der Urkunde des jüdischen Glaubens, der hebräischen Bibel: Es versteht die Geschichte des Volkes Israel als Handeln Gottes. Im Mittelpunkt des Neuen Testaments steht die Botschaft von Jesus Christus, dessen Leben, Tod und Auferstehung von den Christen als endgültiges Heilshandeln Gottes gedeutet werden.
Von den Anfängen des Christentums bis in die Neuzeit galt die These von der sogenannten Verbalinspiration der Bibel: Gott habe, so die Vorstellung, den Autoren der biblischen Bücher den Wortlaut durch seinen Geist eingegeben. Im Zuge der Aufklärung entwickelte sich in der Bibelforschung die historisch-kritische Bibelexegese: Sie untersucht die geschichtlichen Bedingungen, unter denen die Bücher entstanden sind; oftmals handelt es sich im einzelnen um längere, vielfach unklare Entstehungsprozesse. Zudem enthalten die einzelnen Bücher der beiden Testamente zahlreiche verschiedene Textgattungen, die auch unterschiedliche theologische Akzente setzen. Deshalb stellt sich für die Theologie nicht nur die Frage, ob es einen Kern der biblischen Aussagen (die "Mitte der Schrift") gibt, sondern auch, wie die biblische Botschaft unter den Bedingungen der Moderne verstanden werden kann. 
In den einzelnen Konfessionen existiert eine Vielzahl von Bibelübersetzungen und -ausgaben. In der evangelischen Kirche ist die Übersetzung des Reformators Martin Luther von 1534 (die Lutherbibel) von Bedeutung, die zwar nicht die erste deutsche gedruckte Fassung der Bibel war, aber aufgrund der Verbreitung der Reformation großen Einfluß gewann. Für den reformierten Zweig ist die sogenannte "Zürcher Bibel" - ebenfalls in der Reformationszeit entstanden - wichtig. Die katholische Kirche orientiert sich heute zumeist an der "Einheitsübersetzung" von 1979, die gemeinsam von katholischen und evangelischen Theologen erarbeitet wurde. Die verschiedenen Ausgaben unterscheiden sich zum einen in der Anordnung und Reihenfolge der einzelnen Bücher und zum anderen im Umfang: Vor allem manche evangelischen Ausgaben verzichten auf die Apokryphen, weil diese nicht zum Bestand des Urtextes gehören.

 


5. Jesus von Nazareth

Jesus [von griech. Jesous, Wiedergabe des hebr.-aramäischen Jeschua (= Jahwe, hilf!)] wurde in späteren christlichen Quellen Jesus von Nazareth genannt und als der Stifter der christlichen Religion bezeichnet. Er wird seitdem als Jesus Christus und Sohn Gottes bezeichnet. Tatsächlich aber stammte Jesus nicht aus Nazareth, einem Ort, den es zur Zeit seiner angeblichen Geburt noch gar nicht gab. Sein Beiname war eigentlich "der Nazoräer", das heißt "Wahrer des Bundes". Mit dem Beinamen "Nozrei ha-Brit" ("Wahrer des Bundes") pflegten sich nämlich auch die Essener zu bezeichnen, zu denen Jesus gehört haben soll bzw. denen er nahegestanden hat, wenn er nicht gar selbst ein Angehöriger der Zeloten war, die sich selbst auch für die "Wahrer des Bundes (mit Gott)" hielten. Und so will es denn auch gar nicht verwundern, daß das älteste hebräische Wort jener jüdischen Sekte, die sich auf die Lehren des Rabbi Jeschua ("Jesus") berief - "Nozrim" war, was übersetzt "Nazoräer" bedeutet. Auch das arabische Wort für "Christen" ist "Nasrani". Und diese "Nazoräer", die "Urchristen", scharten sich nach dem Tod des Rabbi Jeschua um seinen Bruder, Jakobus den Gerechten, der als Leiter der "Urkirche" in Jerusalem residierte.

 


6. Die Geschichtlichkeit von Jesus, dem Nazoräer

Erstmals in der 2. Hälfte des 19. Jh. leugnete der Theologe Bruno Bauer offen die historische Existenz von Jesus, dem Nazoräer. Obwohl Bauer sie anfangs gar nicht einmal bestritten hatte, erklärte er schließlich die Entstehung des Christentums aus einer im 2. Jh. erfolgten Verschmelzung jüdischer, griechischer und römischer Religionsvorstellungen und sowohl Jesus wie Paulus für literarische Fiktionen. Diese These kostete Bauer allerdings seinen Lehrstuhl.
Indessen setzten einige holländische Forscher den von Bauer eingeschlagenen Weg fort. Und anfangs des 20. Jh. mehrte sich die Zahl der Forscher, welche die Historizität der Gestalt des Rabbi Jeschua bestritten und seine Erscheinung ins Reich der Sage verwiesen. Der erste, der nach dem Theologen Bauer in Deutschland die Frage verneinend wieder aufgriff, war der Bremer Pastor Albert Kalthoff. Der führende deutsche Vertreter dieser Richtung wurde der Karlsruher Philosoph Arthur Drews.
Die Verneiner der historischen Existenz Jesu sehen in den Evangelien die Umformung eines Mythos in einen historischen Bericht, die spätere Personifizierung einer religiösen Idee. Sie nehmen nicht, wie die gesamte kritische Bibelforschung, einen geschichtlichen Jesus an, dessen Leben nachträglich in phantasievollen Wunderberichten und Legenden verklärt, dessen Gestalt allmählich vergottet worden ist. Vielmehr setzen sie einen mythischen Gott voraus, den die Verfasser der Evangelien gleichsam geschichtlich gemacht und vergegenwärtigt haben. Die Bestreiter eines historischen Jesus erblicken also in der biblischen Christusgestalt keinen vergöttlichten Menschen, sondern einen vermenschlichten Gott.
Der Theologe Hermann Raschke hat seine Anschauungen zu diesem Thema in dem bekannten Werk "Das Christusmysterium" zusammengefaßt.

 

7. Außerchristliche Quellen
Römische Historiker


Die Geschichtsschreibung zur Zeit des Rabbi Jeschua, des Nazoräers, kennt diese Gestalt überhaupt nicht, auch das gesamte 1. nichtchristliche Jahrhundert schweigt über ihn völlig. Bezeugt wird Jesus indirekt bloß bei Cornelius Tacitus als "ein gewisser Chrestus, der unter Kaiser Claudius Nero Tiberius durch den Prokurator Pontius Pilatus getötet wurde", wobei es wahrscheinlich ist, daß es sich bei diesem Zitat um einen späteren Einschub christlicher Fälscher handelt. In dem Zusammenhang darf man auch nicht außer Acht lassen, daß des Tacitus Bericht, der um 117, also 90 Jahre nach dem angegebenen Tod des Jesus "Nazoraios" (so die griechischen Übersetzungen hebräischer Texte) entstand, auf den im 2. Jh. n.Chr. umlaufenden Erzählungen basierte, als die Gestalt des Rabbi Jeschua, sei sie nun historisch oder nicht, durch die institutionalisierte Kirche bereits in die göttlichte Gestalt des "Jesus Christus" verwandelt worden war. Obendrein ist die Datierung von Jesu Geburt in die Zeit des Kaisers Tiberius nicht aussagekräftig, weil z.B. Plutarch den mythischen Tod des Pan-Attis ebenfalls unter Tiberius datierte. Für eine Fälschung des betreffenden Zitats von "Chrestus" spricht auch, daß der bedeutende Geschichtsschreiber Suetonius (geb. 65, gest. 135 n.Chr.) ihn mit keiner Silbe erwähnt. Gleichfalls ignoriert ihn der 111 n.Chr. geschriebene Brief des Plinius des Jüngeren, der nur ein "Christentum" erwähnt.

Es gibt auch andere Auffassungen, näheres WIKIPEDIA

 



7. Jüdische Historiker

Besonders bezeichnend ist das völlige Schweigen sämtlicher jüdischer Historiker über die Gestalt von Rabbi Jeschus, dem Nazoräer. Flavius Josephus, kurz nach der angeblichen Kreuzigung Jesu geboren, veröffentlichte um das Jahr 93 n.Chr. seine von der Weltschöpfung bis zu Nero führende "Jüdische Altertümer", worin er alles festhielt, was nach seiner Meinung interessant war. Doch obwohl Josephus auch Johannes den Täufer, Herodes und Pilatus nennt und gerade aus dieser Zeit selbst noch die kleinsten Details des politischen und gesellschaftlichen Lebens berichtet, übergeht er den Wundertäter Jesus total.
Ebensowenig wie Josephus erzählt der jüdische Geschichtsschreiber Justus von Tiberias von Jesus. Dies ist ganz besonders seltsam, weil Justus nicht nur ein Zeitgenosse des Rabbi Jeschua war, sondern auch ein Landsmann von ihm, der in Tiberias, nicht weit von Kapernaum wohnte, wo sich Jesus häufig aufgehalten haben soll. Doch in seiner Chronik, die von Moses bis in die Jahre reicht, in denen das Johannesevangelium entstand, tritt kein Jesus auf.
Aber auch der jüdische Gelehrte Philon von Alexandria, von dem wir rund fünfzig Schriften besitzen, der ein großer Kenner der Bibel und jüdischer Sekten war und Jesus um etwa zwanzig Jahre überlebte, weiß von ihm nichts. Dabei berichtete Philon nicht nur über die Essener, sondern erwähnt sogar Pilatus. Dagegen wird auch Paulus weder von Philon noch Josephus je erwähnt. So stammt das Wissen über Jesus den Nazoräer praktisch ausschließlich aus dem NeuenTestamente, daß bereits nur aus der Feder tendenziöser kirchlicher Schriftsteller herrührte. 
 

8. Jesus Christus
Begriff des christlichen Glaubenbekenntnisses
Jesus Christus ist die zentrale Gestalt des Christentums. Dem Bekenntnis gemäß ist Gott in der historischen Person Jesus von Nazareth Mensch geworden, der durch seinen Tod am Kreuz und seine Auferstehung die Welt mit Gott versöhnt hat. Deshalb haben ihm die ersten Christen den Beinamen "Christus" (von gr. christos "der Gesalbte") gegeben. "Christus" ist die Übersetzung des hebräischen "Messias". Dieser Ehrentitel meint in der jüdischen Religion einen Heilsbringer, den die Juden am Ende der Zeiten erwarten. Die ersten Christen, die dem Judentum angehörten, sahen in Jesus von Nazareth den endgültigen Messias. Deshalb hat sich das Christentum vom Judentum gelöst und als eine eigenständige Religion entwickelt.
Die Entwicklung der Christusgestalt aus dem Kulte des Dionysos
Dionysos, gestorben und wieder auferstanden
Dionysos [urgriechisch "dyaus sunus" = "Gottes Sohn"] war - man erinnere sich an die Herkunft des biblischen Jesus - der Sohn des Zeus und einer sterblichen Frau. Seine Mutter Semele war während ihrer Schwangerschaft voll ähnlichen Enthusiasmusses wie Maria im Evangelium des Lukas, und wie die Begeisterung der Semele sich auf andere übertrug, so auch die der Maria. Dionysos war ein Freudenbringer, aber auch ein leidender, sterbender und wieder von den Toten auferstehender Gott. In Delphi wurde sogar sein Grab gezeigt.

 



9. Kanon (Verzeichnis)
Kanon [griech. = Richtschnur].
 

In der Bibelwissenschaft meint Kanon das Verzeichnis der für den Glauben maßgeblichen biblischen Bücher. Der Kanon des Alten Testaments lehnt sich an die hebräische Bibel des Judentums an; er wurde vermutlich im 1. Jahrhundert n.Chr. festgelegt. Eine Sonderstellung bezüglich der biblischen Schriften nehmen dabei die Apokryphen ein. Die Entscheidung, welche Schriften den Kanon des Neuen Testaments bilden sollten, war erst im 4. Jahrhundert endgültig abgeschlossen. Die Bildung des christlichen Kanons war - neben der Entstehung kirchlicher Ämter und der Formulierung von Bekenntnissen - ein wichtiges Element, um das noch junge Christentum als institutionalisierte Religion zu festigen.

 



10. Kirche

Kirche [von griech. kyriake = zum Herrn gehörig] meint im Christentum die Gemeinschaft der Gläubigen. Nach katholischer Auffassung ist die Kirche ein Heilsinstitut (alleinseligmachende Kirche), nach evangelischer Auffassung sind Merkmale der Kirche die Verkündigung des Evangeliums und die Ausübung der Sakramente in Übereinstimmung mit dem Evangelium, in reformierten Kirchen darüber hinaus die Innehaltung kirchlicher Zucht. Charakteristisches Merkmal der orthodoxen Kirche ist der starke Bezug auf Christus und das Verständnis, als Kirche der eine Leib Christi zu sein.
Als soziale Erscheinung bringt die Kirche gemeinsamen Glaubensbesitz zum Ausdruck in Lehre (Dogmatik), Kultusgemeinschaft (Liturgie), sozialer Vorsorge (Diakonie), moralischer und geistlicher Erziehung (Pastorat) und Berufung für die Welt (Apostolat, Mission) mit einer charakteristischen Organisationsform und eigenem Status innerhalb der Gesellschaft.
Als "Haus des Herrn" meint "Kirche" auch das Gottesdienstgebäude als Versammlungsort der Gemeinde  
 



11. Bekenntnis

Bekenntnis, Bezeugung des Glaubens (auch credo), allgemein für Glaubensinhalte konfessioneller Gemeinschaften.
Das Bekenntnis ist in der Alten Kirche wichtig, weil sich am Bekenntnis die Rechtgläubigkeit entscheidet. Im Rahmen der Abgrenzung zu den Andersdenkenden werden Bekenntnisse als präzise Formulierung des rechten Glaubens verstanden. Die Annahme eines Bekenntnisses kommt damit einer Zugehörigkeit gleich. Bekenntnisse dienen daher zur Vergegenwärtigung des eigenen Glaubens und zur Abgrenzung gegen andere Glaubensrichtungen.
Im Rahmen der Kirchengeschichte haben die Bekenntnisse der Alten Kirche eine besondere Bedeutung. Sie wurden in der Regel von Konzilien verabschiedet, so das Nicänum auf dem Konzil von Nicäa 325 n.Chr. oder das Chalcedonense auf dem Konzil von Chalcedon 451 n.Chr. Diese Bekenntnisse, die die wichtigsten christlichen Dogmen (u.a. Trinität) festlegen, werden als verbindliche Tradition von den Protestanten akzeptiert. Auf diese Weise stehen katholische und protestantische Kirche auf den gleichen Glaubensgrundlagen. Das Apostolikum (Apostolisches Glaubensbekenntnis) aus dem 3. bzw. 4. Jahrhundert n.Chr. wird bis heute in den Gottesdiensten gesprochen.

Bekenntnisschule
Bekenntnisschulen sind Schulen, in der nur Schüler einer Konfession von Lehrern gleicher Konfession unterrichtet werden, im Unterschied zur Gemeinschaftsschule. Die Bekenntnisschule ist nur bei Grund- und Hauptschulen auf Wunsch der Eltern möglich.
 
 

12. Geschichte des Christentums

Mission (Kirche)
Mission [lat.], die Aussendung von Missionaren zur Verbreitung einer religiösen Lehre.
Die Mission im Christentum läßt sich zurückführen auf den sogenannten "Missionsbefehl" Christi (Matthäus 28,19): Der Überlieferung zufolge sendet der auferstandene Jesus Christus seine Jünger als Apostel aus, damit sie aller Welt das Evangelium verkündigen. Von großer Bedeutung waren die Missionsreisen des Paulus; durch ihn gelangte das Christentum über den Raum Israels hinaus nach Kleinasien (der heutigen Türkei), Griechenland und nach Rom. Mit der Anerkennung des christlichen Glaubens als römischer Staatsreligion im 4. Jahrhundert n.Chr. war der Grundstein gelegt für die Missionierung der europäischen Völker: Europa wurde im Mittelalter zum "christlichen Abendland".
Im Verlauf der Kirchengeschichte bedeutete Mission oftmals die brutale Ausrottung fremder Kulturen und Religionen - vor allem während des Kolonialismus in Afrika, Asien und Amerika; deshalb wird der Begriff heute mit Zurückhaltung gebraucht.

 



13. Christenverfolgungen

Die Versuche verschiedener römischer Kaiser in den ersten nachchristlichen Jahrhunderten, das Christentum zu unterdrücken oder gar auszurotten.
Der ersten Christenverfolgung in Rom unter Nero im Jahr 64 fielen vermutlich die beiden Apostel Petrus und Paulus zum Opfer. Im Jahre 249 versuchte der Kaiser Decius, die Christen auf den Staatskult zu verpflichten. Die letzte große Christenverfolgung fand in den Jahren 299-311 unter Kaiser Diokletian statt.
Gefährlich für die römischen Kaiser war das Christentum deshalb, weil der Glaube an den christlichen Gott die Verehrung des Kaisers als göttliches Wesen ausschloß.

 



14. Konstantin I. (Rom)

Konstantin I.
Flavius Valerius Constantinus, Konstantin I., der Große (geb. ca. 288, gest. 337), der erste christliche Kaiser des Römischen Reichs.
In Britannien, wo er seinen Vater Constantius I. auf einem Feldzug begleitete, wurde er nach dessen Tod von den Truppen zum Kaiser ausgerufen (306). Als er seinen Rivalen um den Thron (s. Tetrarchie) Maxentius im Jahr 312 bei Rom bekämpfte, soll er ein Kreuz am Himmel gesehen und die Worte "In hoc signo vinces" [lat. für "Unter diesem Zeichen wirst du siegen"] gehört haben. In der Schlacht an der Milvischen Brücke in der Nähe von Rom brachte Konstantin seinem Gegner die entscheidende Niederlage bei und trat zum christlichen Glauben über. Im Toleranzedikt von Mailand verkündete er gemeinsam mit seinem Mitregenten Licinius im Jahr 313, daß alle Christen die gleichen Rechte wie die Anhänger anderer Religionen hätten, ferner gestattete er ihnen die freie Religionsausübung und gab den während der Christenverfolgungen eingezogenen Besitz an die Christen zurück. Aus der Rivalität mit Licinius erwuchs ein Machtkampf, aus dem Konstantin erst 324 endgültig als Alleinherrscher hervorging und das Reich wieder einte. Zudem bemühte er sich um eine Einigung der christlichen Glaubensvorstellungen: Im Jahr 325 berief er das Konzil zu Nicäa ein, das die Glaubensfrage um den Arianismus klären sollte. Das Zentrum seiner Herrschaft verlegte er in den Ostteil seines Reichs, wo er 330 n.Chr. Konstantinopel als neues Rom gründete. Erst kurz vor seinem Tod am 22. Mai 337 empfing Konstantin die Taufe.



15. Schisma

Schisma [griech. = Spaltung], das, Mz. die Schismen, Kirchenspaltung (nicht Glaubensspaltung). 
Das "Morgenländische Schisma" im Jahre 1054 bedeutete die Trennung der Ostkirche von der römisch-katholischen Kirche. Das "Große abendländische Schisma" meint die Situation des Papsttums von  1378 bis 1417, als ein Papst und ein bis zwei Gegenpäpste regierten.

 



16. Katholische Kirche

Katholische Kirche [von griech. katholos = allgemein], römisch-katholische Kirche.
Seit dem Schisma von 1054, das die Entstehung der orthodoxen Ostkirche nach sich zog, und der Reformation bezeichnet der Begriff "katholisch" im allgemeinen die römisch-katholische Konfession innerhalb des Christentums. Ursprünglich bezog sich der Begriff auf die weltumspannende Christenheit.
Die römische Kirche sieht sich in einer Traditionslinie, die mit dem Apostel Petrus, dem angeblich ersten Bischof von Rom, ihren Anfang genommen hat. Er soll - dem Matthäus-Evangelium (Kap. 16) zufolge - von Jesus Christus den Auftrag erhalten haben, die Kirche zu gründen. Der Papst gilt in der römisch-katholischen Kirche als der Nachfolger des Apostels. Diese zentrale Stellung des Papstes und die daraus resultierende hierarchische Verfassung der katholischen Kirche mit der Betonung des Lehramts ist einer der Unterschiede zwischen den Konfessionen. Hinzu kommen unterschiedliche Auffassungen über das Abendmahl. 
Die katholischen Gottesdienste sind stark von sinnlichen und ästhetischen Elementen geprägt. Dementsprechend sind auch die Kirchengebäude oft prächtig ausgestattet.
In der Gegenwart ist die katholische Kirche vor allem in den Ländern der sogenannten Dritten Welt - Afrika und Südamerika - stark vertreten. Hier gibt es den Versuch, die Botschaft der Kirche mit dem Kampf um Verbesserung der politischen und sozialen Situation zu verbinden.

 



17. Orthodoxe Kirche

Begriff
Als orthodoxe [griech. = "rechtgläubig"] Kirche (Ostkirche) bezeichnet man eine Gemeinschaft von Schwesternkirchen in Osteuropa und im Vorderen Orient, so vor allem die griechisch-orthodoxe und die russisch-orthodoxe Kirche. Sie hat sich seit der Frühzeit des Christentums relativ eigenständig in Hinsicht auf die Lehre, Organisation und den Kult entwickelt. Sie ist aus der byzantinischen Reichskirche hervorgegangen und erkennt die von ihr festgelegten Dogmen an. Die endgültige Trennung von der westlichen (der späteren römisch-katholischen) Kirche erfolgte durch das Schisma im Jahre 1054 n.Chr.
Als wichtige Schriften gelten neben der Heiligen Schrift (Bibel) die Bekenntnisse bis 787 n.Chr. (letztes ökumenisches Konzil). Die orthodoxe Kirche besteht aus einzelnen autokephalen Kirchen wie der griechischen, russischen, bulgarischen und serbischen. Der orthodoxe Kultus dient der Vergegenwärtigung der Heilsgeschichte und dem Empfang des Heilguts.
Die Liturgie der orthodoxen Kirche
In der orthodoxen Liturgie wird das Heilsgeschehen von der Inkarnation bis zur Aussendung des Heiligen Geistes in zahlreichen symbolischen Zeichen und Handlungen anschaulich gemacht. In keinem Gottesdienst darf der Weihrauch fehlen, er gilt nämlich als Wehen des Heiligen Geistes. Eigentliches Eingangstor in das Mysterienwesen der Kirche ist die Taufe, von den griechischen Kirchenvätern mit symbolischen Bezeichnungen versehen wie "Lösegeld von der Gefangenschaft", "Tod der Sünde", "Wiedergeburt der Seele", "Aufstieg zum Himmel". Der Taufbewerber hat die den alten Menschen versinnbildlichenden Oberkleider abgelegt und steht in der Vorhalle der Kirche nach Osten, der Gegend des Sonnenaufgangs, gewandt.
In noch stärkerem Maße als in der katholischen Kirche gilt das Mysterium der Eucharistie als Zusammenfassung ("recapitulatio") der gesamten Heilsgeschichte. Obwohl die orthodoxe Kirche keine allgemein verbindliche Lehre über das Altarsakrament besitzt, sind die Wandlung von Brot und Wein in Leib und Blut Christi und der Charakter eines "unblutigen Opfers" unbestritten. Die Symbolsprache des liturgischen Gestus zeigt sich deutlich, wenn der Priester die Worte spricht: "Das ist mein Leib, das ist mein Blut" und dabei ehrfürchtig die rechte Hand erhebt, während der Diakon auf Brot und Kelch zeigt. Die vom Priester vollzogene Brechung des heiligen Brotes ist Symbol des Opfertodes, die Vereinigung eines Teils mit dem Wein im Kelch als "Mischung" ist Hinweis auf die Auferstehung. Die in der katholischen Kirche für Laien übliche Kommunion unter einer Gestalt wird scharf abgelehnt. Das heilige Abendmahl wird von den Kommunikanten stehend empfangen, um so ihre Auferstehung mit Christus anzudeuten.
Das Osterfest als zentrales Fest der orthodoxen Kirche
In der orthodoxen Kirche gelten die Feste nicht nur als Gedenkfeiern, sondern sind zugleich geheimnisvolle Handlungen, "Christophanien". Das menschliche Leben des Erlösers wiederholt sich in der Kirche wie ein allgemeines, universelles, grundlegendes, allerschöpfendes Faktum. Höhepunkt des Kirchenjahrs ist das Osterfest, das um Mitternacht beginnt. Priester und Diakone ziehen zunächst unter Gesang aus der Kirche, umschreiten diese, nach der Beweihräucherung der Ikonen stellt sich der zelebrierende Priester mit nach Osten gewandtem Gesicht vor die große, verschlossene Kirchentür und singt dreimal: "Christus ist auferstanden von den Toten ...", dreimal vom Chor wiederholt, bis sich schließlich das Portal öffnet und der Priester an der Spitze der Prozession aus dem nächtlichen Dunkel in das hell erleuchtete Gotteshaus einzieht und den hier wartenden Gläubigen zuruft: "Christus ist auferstanden!" Nach altkirchlicher Überlieferung ist jeder Sonntag ein Abbild des Osterfestes und heißt deshalb in der liturgischen Sprache "Auferstehung" (russisch "voskresenje").
Anlage und Gebäudeform der orthodoxen Kirche
Das orthodoxe Kirchengebäude enthält symbolisch die ganze Welt, von dem in der Kuppel dargestellten Christus als Weltbeherrscher ("Pantokrator") überragt. Die Kreuzform der Kirche erinnert an den Tod am Kreuze. Das Hauptthema der Symbolik des orthodoxen Kirchengebäudes wie auch der Ikone ist einerseits die Erniedrigung des Wortes Gottes (sein Herniedersteigen zu den Menschen) und das erlösende Opfer, andererseits die Verklärung des Menschen und mit ihm der ganzen sichtbaren Welt. Das Gebäude ist sinnbildlicher Ausdruck dessen, was nicht unmittelbar darstellbar ist, nämlich die Gesamtkirche, der mythische Leib Christi. In der Dreiteilung des Kirchenbaus - Vorhalle, Schiff und Altarraum - kann man eine Andeutung der Dreifaltigkeit erblicken. Der Altarraum wird vom Kirchenschiff durch die Bilderwand ("Ikonostase") getrennt, sie ist nach den Kirchenvätern die Grenze zwischen der göttlichen und der menschlichen Welt. Die mittlere Tür, die heilige Pforte, mit Darstellungen der Evangelisten und der Verkündigung Mariä, ist Sinnbild des Eingangs in das Reich Gottes, das der Altarraum mit dem Altar in der Mitte darstellt. Auf der Wand hinter bzw. über dem Altar befindet sich eine Abbildung der Gottesgebärerin ("Theotokos").
 
 




18. Reformation (Kirche)

Philipp Melanchthon
Reformation [lat.=Umgestaltung], die große religiöse Bewegung des 16. Jahrhunderts, die zur Entstehung des Protestantismus und der konfessionellen Spaltung der abendländischen Kirche führte.
Voraussetzungen
Reformgedanke und Konzilsbewegung
Der Wunsch nach einer Reform der Kirche an "Haupt und Gliedern" war seit Jahrhunderten lebendig gewesen. Auch das Papsttum, das durch das Schisma im 14. Jh. und durch seinen zunehmend weltlichen Regierungsstil in Mißkredit geraten war, stand schon seit längerer Zeit in der innerkirchlichen Kritik. Seit dem 14. Jh. hatte die sogenannte Konzilsbewegung, vornehmlich getragen von Bischöfen, darauf gedrängt, das allgemeine Konzil als die oberste Instanz der Kirche anzusehen und auch den Papst dessen Entscheidungen zu unterwerfen.
Daneben waren im späten Mittelalter auch Ketzerbewegungen (wie die Katharer) und Bettelorden (wie die Franziskaner) aus Protest gegen den Reichtum und die Verweltlichung der Amtskirche entstanden. Sie hatten neue religiöse Formen geschaffen, die auf die Entstehung von unabhängigen sektiererischen Glaubensbewegungen im Zuge der Reformation wirkten.

 



19. Geistige Voraussetzungen

Geistig vorbereitet wurde die Reformation durch die Auflösung der Scholastik und deren Kritik durch den Humanismus. Vor allem aber war eine sehr weit verbreitete Verunsicherung und Angst der Menschen um ihr ewiges Heil eine wesentliche Voraussetzung der Reformation. Gott erschien ihnen vor allem als der rächende und verdammende Richter des Jüngsten Gerichts. Die Menschen versuchten, ihn durch Anrufung von Heiligen, Wallfahrten, Sammeln von Reliquien oder Kauf von Ablaßbriefen, die ihnen zu Beginn des 16. Jahrhunderts von den Ablaßpredigern quasi als Eintrittskarte in den Himmel verkauft wurden, gnädig zu stimmen. Auch Martin Luther wurde jahrelang von der quälenden Frage, wie er sich vor Gott rechtfertigen und so der ewigen Verdammnis entgehen könne, gepeinigt, bis er darauf seine "evangelische" Antwort fand. 
Für die rasche Verbreitung der Reformation war darüber hinaus die Erfindung des Drucks mit beweglichen Lettern durch Johannes Gutenberg eine wichtige Voraussetzung, da erst dadurch die große Anzahl von Druckwerken hergestellt werden konnte, die das reformatorische Denken überallhin verbreiteten.

 




20. Die Reformation

Die Grundgedanken
Hauptgrundsatz der Reformation ist die Rechtfertigung, die Annahme des sündigen Menschen durch Gott, allein durch den Glauben (sola fides). Der Gläubige kann sich in seinem Glauben durch die Bibel bestärken, die ihm daher eine wesentliche, aber auch die einzige Stütze ist (sola scriptura). Doch der Mensch, der ein sündiges Wesen ist, bleibt dabei auf die Gnade Gottes angewiesen, die er nicht durch sein Handeln (gute Werke) positiv beeinflussen kann (sola gratia). 
Aus dieser Vorstellung heraus sah Luther die spätmittelalterliche Werkfrömmigkeit und insbesondere ihre Pervertierung durch den Ablaßhandel als gefährlich für das Seelenheil der Menschen an, und so begann er mit seinen 95 Thesen eine innerkirchliche und theologische Diskussion, die sich erst durch die Reaktion der Amtskirche zur fundamentalen Auseinandersetzung und zur Spaltung weitete.

 



21. Die Verbreitung

Die Reformation verbeitete sich, zunächst vor allem in Deutschland, sehr schnell, da Luther dem allgemeinen Unbehagen und der Kritik an der Kirche im Zuge der sich verschärfenden Auseinandersetzung deutlichen Ausdruck verlieh, aber vor allem deshalb, weil er eine neue Antwort gefunden hatte, bei der das Heil der Menschen nicht mehr von der reformunwilligen Kirche abhing. 
Daneben erhielt die Reformation auch bald nach ihrer Annahme durch einzelne Landesfürsten eine politische Bedeutung sowie eine sozialrevolutionäre Dimension, die in den Ritter- und Bauernkriegen zum Ausdruck kam.
Gegen solche von ihm nicht beabsichtigte und auch nicht gebilligte revolutionäre Tendenzen setzte Luther zur Durchsetzung der Reformation verstärkt auf die Landesfürsten (Entstehung der Landeskirchen). Sie waren es dann auch, die 1555 die erste Anerkennung der lutherischen Reformation durch den Augsburger Religionsfrieden erreichten.
Luthers Denken wurde von anderen Reformatoren aufgegriffen und weiterentwickelt, insbesondere von Johannes Calvin und Huldrych Zwingli, gegen die Luther nun auch seine eigene Lehre abzugrenzen begann. So formulierten die unterschiedlichen Richtungen ihre Bekenntnisse, und es kam zur Bildung von Konfessionen.
Das Entstehen der Konfessionen

 


22. Die lutherische Konfession

Der Inhalt des lutherischen Bekenntnisses wurde 1530 in der Confessio Augustana von  Philipp Melanchthon formuliert. Dieses Bekenntnis war die Grundlage für Religionsgespräche, durch die Kaiser Karl V. hoffte, die Einheit der Kirche doch noch wiederherstellen zu können. Sie diente aber auch der Abgrenzung gegen andere protestantische Richtungen wie den Calvinismus. Die lutherische Konfession wurde 1555 im Augsburger Religionsfrieden reichsrechtlich anerkannt und der katholischen gleichgestellt.

 



23. Die reformierte Konfession

Calvin und Zwingli entwickelten Luthers Lehre weiter und gaben ihr eine eigene Prägung, insbesondere in bezug auf die Bedeutung des Abendmahls und die Vorherbestimmtheit der göttlichen Auserwählung (Prädestinationslehre). Eine Einigung mit der lutherischen Lehre wurde nicht erzielt, und so entstand eine zweite evangelische Konfession, die sich auch durch eine größere Radikalität auszeichnete (Bildersturm). Sie setzte sich vor allem in der Schweiz, in den Niederlanden, Schottland und (neben der anglikanischen Kirche) in England durch und errang durch die stark calvinistische Besiedlung Nordamerikas (Puritaner) Weltgeltung. Auch in Frankreich fand sie zunächst zahlreiche Anhänger, die Hugenotten, konnte sich aber kaum dauerhaft durchsetzen.
Die anglikanische Kirche
Eine besondere Entwicklung nahm die Reformation in England. Hier kam es durch eine Auseinandersetzung Heinrichs VIII. mit Papst Klemens VII. über die Auflösung seiner Ehe zur Gründung einer eigenen Kirche. Dabei setzte sich hier vor allem die in vielen europäischen Ländern vorhandene staatskirchliche Tendenz durch, also eine engere Bindung der Kirche an den eigenen Staat durch eine Lockerung bzw. in diesem Fall Auflösung ihrer Bindung an den römischen Papst (vgl. Gallikanismus in Frankreich). Der englische König wurde zum Oberhaupt dieser anglikanischen Kirche, die nicht in Austausch mit den übrigen reformatorischen Strömungen trat.

 



24. Die katholische Konfession

Auch die alte Kirche formulierte ihr Bekenntnis in bewußter Abgrenzung gegen die Reformation neu und erhielt so selbst ein konfessionelles Gesicht. Dies geschah auf dem Trienter Konzil (1445-1463), auf dem sowohl die dogmatischen Positionen festgelegt als auch eine Reform der Kirche in Gang gebracht wurden. Damit war die Gegenreformation eingeleitet, durch die die katholische Kirche viel verlorengegangenes Terrain und Ansehen zurückgewann.

Nebenströmungen
Neben den Konfessionen bildeten sich im Gefolge der Reformation auch Glaubensgemeinschaften, die eher in der Tradition der spätmittelalterlichen Ketzerbewegungen standen und die jegliche dogmatische Prägung ablehnten (vgl. z. B. Sebastian Franck). Sie waren häufig geprägt von einem starken Auserwählungsbewußtsein und einer apokalyptischen Endzeiterwartung. Dies äußerte sich in einigen Fällen, wie zum Beispiel bei den Wiedertäufern um Thomas Müntzer oder dem Wiedertäuferreich in Münster, in extremer Radikalität und gewaltsamem Fanatismus. Meistens schlossen sich diese Gruppierungen aber von der übrigen Welt ab und entwickelten einen eigenem Lebensstil. Manche leben bis heute als sogenannte Freikirchen fort.

Bedeutung
Die Reformation gab dem Christentum in Europa neue Kraft und Wirksamkeit, löste aber zugleich eine Epoche heftigster Spannungen und gewalttätiger konfessioneller Auseinandersetzungen mit Glaubenskriegen (z. B. Schmalkaldischer Krieg, Hugenottenkriege und Dreißigjähriger Krieg) aus, die daher auch als konfessionelles Zeitalter bezeichnet wird. Nachdem weder eine Reformation der Gesamtkirche noch eine Überwindung der Reformation gelungen war, mußte das abendländische Europa lernen, mit der Koexistenz unterschiedlicher Weltanschauungen zu leben. Nach einem langwierigen Prozeß setzte sich allmählich über die Idee der Toleranz der moderne Pluralismus durch. Ein Zug zum Subjektivismus, in diesem Fall das Recht des einzelnen, zu glauben und zu handeln nach bestem Gewissen, war bereits im lutherischen Denken angelegt, erstarrte dann aber auch auf protestantischer Seite in konfessioneller und dogmatischer Fixierung. 
Die Reformation und ihre Wirkung bis in die heutige Zeit hinein ist kaum zu überschätzen. In ihrem Beginn 1517 wird daher auch häufig der Anfang der Neuzeit gesehen.
 



25. Dreifaltigkeit

Dreifaltigkeit heißt die Vorstellung von Gott als dreigegliederter Einheit oder von drei göttlichen Personen, die zusammen eine Einheit bilden. Diese Vorstellung ist nicht auf den Bereich des christlichen Glaubens beschränkt, sondern findet sich in fast allen Religionen. Die trinitarische Symbolwelt ist teilweise kultur- und religionsübergreifend und gehört zum allgemeinen Menschheitsgut. Zur symbolischen Veranschaulichung benutzte man häufig dreigeteilte Figuren oder drei zu einer Einheit zusammengefaßte Einzelsymbole.

26. Die Dreifaltigkeit in Indien und Ägypten

Im Hinduismus gibt es als Götterdreiheit (Dreifaltigkeit) die "Trimurti". Brahma, Vishnu und Shiva bilden als Schöpfer, Erhalter und Zerstörer von Welt und Leben eine Dreieinheit (als Götterbild mit drei Köpfen dargestellt). Die Ägypter kannten eine ganze Reihe von solchen Dreieinigkeiten oder Göttertriaden, die vor allem seit dem Neuen Reich als Einheit in Dreiheit verstanden wurden, wenn auch mehr als Trinität der Götter denn als Trinität Gottes.
Die "Triaden" hatten meist eine hauptsächliche Kultstätte. In Theben (Ägypten) z.B. verehrte man den Gott Amun, seine Gemahlin Mut und ihren Sohn, den Mondgott Chons. Auch Isis, Osiris und Horus bilden eine Familie, die nach einem Bericht bei Plutarch durch die drei Seiten des rechtwinkligen Dreiecks symbolisiert wurde. Von Amun, Re und Ptah heißt es im Leidener Amunhymnus am Ausgang des 14. Jh. v.Chr.: "Drei sind alle Götter - Amun, Re und Ptah, keinen gibt es ihresgelichen. Verborgen ist sein Name als Amun, als Re wird er wahrgenommen, sein Leib ist Ptah". Auf einem dreieckigen Amulett ägyptischen Ursprungs des 1.-2. Jh. n.Chr. findet sich die trinitarische Formel: "Einer ist Bait, einer ist Hathor, einer Achori, eins ist ihre Kraft. Sei mir gegrüßt, Weltvater, sei mir gegrüßt, dreigestaltiger Gott".
Dreineinige Götter im antiken Griechenland
Im antiken Griechenland begegnen uns sowohl zahlreiche Göttertriaden als auch in sich dreigestaltige, dreiköpfige oder dreiäugige Götter. Hekate, die Göttin der Unterwelt, wurde sowohl dreigestaltig als auch dreiköpfig dargestellt, ebenso der Riese Geryon und der Höllenhund Kerberos. Hier zeigen sich auch starke Beziehungen der Trinität zum unterweltlichen und dämonischen Bereich, also eine Trinität Chthonischer Gottheiten. Das dreifaltige Wesen von Zeus drückt sich einerseits in seinen verschiedenen anderen Göttern zu Triaden aus, andererseits in seiner öfters erwähnten und dargestellten Dreiäugigkeit.

27. Die christliche Dreifaltigkeit

Das christliche Dogma von der Dreifaltigkeit wurde erst im 4. und 5. Jh. n.Chr. auf frühchristlichen Grabsteinen in Verbindung mit dem Christusmonogramm symbolisch dargestellt. Das Christusmonogramm kann dabei an der oberen Spitze des Dreiecks stehen oder dem Dreieck eingeschrieben sein. Vielleicht ist das Dreieck aber auch nur ornamental verwendet. Augustinus Aurelius wandte sich gegen die Symbolisierung der Trinität durch das Dreieck bei den Manichäern und verhinderte so auf viele Jahrhunderte hinaus das Eindringen des Dreiecks in die christliche Symbolwelt und Kunst. Auf Dauer allerdings konnte diese Entwicklung dadurch nicht verhindert werden.
Aus dem 11. Jh. stammt eine Miniaturmalerei des Regensburger Uta-Evangeliars mit einem goldenen Dreieck, in das die Hand Gottes eingezeichnet ist. Die Deutung des Dreiecks als Trinitätssymbol ist zwar nicht ausdrücklich ausgesprochen, aber doch naheliegend. Ein Hinweis auf die trinitarische Bedeutung dieses Dreiecks ist in der dreifachen Beischrift über Eigenschaften Gottes sowie in den das Dreieck umgebenden drei konzentrischen Kreisen gegeben. Später wurde das Dreieck oft mit dem Auge oder dem Namen Gottes verbunden dargestellt.

28. Die Dreifaltigkeit in der religiösen Kunst

Eine symbolische Wiedergabe der Dreifaltigkeit durch eine menschliche Gestalt mit drei Leibern oder drei Köpfen oder einem Kopf mit drei Gesichtern gibt es nicht nur in den nichtchristlichen Religionen (z.B. bei den Kelten), sondern auch in der christlichen Kunst. Die älteste Darstellung der Dreifaltigkeit dieses Typs in Gestalt eines dreiköpfigen Mannes entstand im 8.-9. Jh. n.Chr. als Wandmalerei in einer kleinen Kirche in Abd el Gadir in Nubien. Im Abendland setzen ähnliche Darstellungen und Dreigesichtsbilder erst im 13. und 14. Jh. n.Chr. ein Aus dem organischen Bereich stammen Symbolisierungen der Trinität als drei Fische, als dreiblättriges Kleeblatt, als drei Vögel, drei Löwen, drei mit den Ohren zusammengewachsene, im Kreise laufende Hasen (Paderborner Dom).
Bei der seit dem frühen Mittelalter auftretenden "Hetoimasia" sind die drei göttlichen Personen entweder durch drei Symbole charakterisiert, z.B. der Vater als Hand oder Thron, der Sohn als Lamm, Kreuz oder Evangelienbuch und der Heilige Geist als Taube oder durch eine menschliche Gestalt, sei es Vater und Sohn, mit zwei Symbolen für die anderen beiden Personen, z.B. die Figur Christi mit Hand und Taube. In der Barockzeit entstanden die sogenannten Dreifaltigkeitsringe. Es handelte sich um eine ringförmig angeordnete dreifache Spirale aus Gold, Silber, Elfenbein, Messing, Eisen, deren einzelne Windungen sich nicht berührten. Dadurch sollte sowohl die Einheit als auch die Verschiedenheit der drei göttlichen Personen dargestellt werden.
 
 


29. Altes Testament

Das Alte Testament (AT) ist der erste Teil der christlichen Bibel und entspricht im Umfang (wenn auch nicht in der Abfolge der Schriften) der hebräischen Bibel des Judentums. Theologisch wird das AT gedeutet als Schilderung der Geschichte Gottes mit seinem Volk Israel. Der Name soll die Verbindung und den Unterschied zum Neuen Testament andeuten, das mit der Botschaft von Jesus Christus den Kern des christlichen Glaubens enthält.
Aufbau und Inhalt
Das AT besteht aus drei großen Teilen, der Tora ("Weisung"), den "Propheten" und den "Schriften".

30. Tora

Die Tora oder der Pentateuch ("Fünf Bücher Mose") umfaßt die Bücher Genesis, Exodus, Leviticus, Numeri und Deuteronomium. In der Tora werden die Erschaffung der Welt und die "Urgeschichte", die Geschichten der Erzväter, der Auszug aus Ägypten und die Gabe des jüdischen Gesetzes berichtet.

31. "Propheten"

Die "Propheten" umfassen die "Vorderen (Frühen) Propheten" (Josua-Buch, Richter-Buch, 1. und 2. Buch Samuel, 1. und 2. Buch der Könige) sowie die "Hinteren (Späteren) Propheten" Jesaja, Jeremia, Ezechiel (Hesekiel) und das Zwölfprophetenbuch (Hosea, Joel, Amos, Obadja, Jona, Micha, Nahum, Habakuk, Zephanja, Haggai, Sacharja und Maleachi).
Die "Vorderen Propheten" enthalten die theologische Deutung der Landnahme Israels und der Geschichte der jüdischen und israelitischen Königreiche bis zu deren endgültiger Zerstörung 587 v.Chr. (Babylonisches Exil). Die "Hinteren Propheten" sind eine Mischung aus Geschichtsbüchern und prophetischer Verkündigung.
"Schriften"
Die Schriften umfassen das Buch der Psalmen, das Buch Hiob, das Buch der Sprüche, die fünf Megillot ("Festrollen") Ruth, Hohes Lied, Kohelet, Klagelieder und Ester, das Buch Daniel und das sogenannte chronistische Geschichtswerk (Esra, Nehemia, 1. und 2. Buch der Chronik). Sie enthalten poetische Bücher, Erzählungen und Geschichtswerke. In den "Festrollen" finden sich wichtige Texte für jüdische Feste und Feiern.

32. Entstehung

Der geschichtliche Entstehungsprozeß vollzog sich als Entwicklung von mündlicher Überlieferung hin zur Verschriftlichung und umfaßte einen Zeitraum von ca. 1.000 Jahren. Im einzelnen ist der Ablauf in der Forschung umstritten, etwa die Frage, zu welchem Zeitpunkt die einzelnen Schriften zu größeren Einheiten zusammengefaßt wurden. Die endgültige Festlegung des Umfangs der hebräischen Bibel, des Kanons, den das Christentum dann als AT übernommen hat, erfolgte wohl gegen Ende des 1. Jahrhunderts n.Chr.

33. Bedeutung

In der christlichen Theologie wurde das AT lange Zeit gewissermaßen als Vorstufe des Neuen Testaments angesehen: Die Geschichte des Volkes Israel habe die Offenbarung Jesu Christi vorbereitet; diese könne somit als Erfüllung alttestamentlicher Verheißungen gelten. Weil dies aber vielfach eine Abwertung der hebräischen Bibel der Juden bedeutete - unter anderem eine Ursache des Antisemitismus -, betrachten heute viele Christen das Alte Testament als gleichrangig zum Neuen und sprechen deshab vom "Ersten Testament". Unzweifelhaft ist, daß der Jude Jesus von Nazareth auf dem Boden der hebräischen Bibel stand. Umstritten ist, inwiefern Jesus seine Botschaft als konsequente Auslegung oder als Aufhebung der jüdischen Tora verstand.

34. Psalmen

Psalmen [griech.], geistliche Lieder, gleichnamiges Buch in der Bibel (Altes Testament).
Psalmen sind Lieder und Gedichte, die bestimmte formale Merkmale aufweisen, etwa die parallele Anordnung einzelner Satzteile. Im alttestamentlichen Buch der Psalmen, das auch Psalter genannt wird, sind 150 solcher Texte zusammengefaßt.
Das Buch der Psalmen
Der Psalter läßt sich in fünf Bücher unterteilen, die jeweils mit einem Lobpreis Gottes, einer sogenannten Doxologie, enden (Ps 41; Ps 72; Ps 89; Ps 106; Ps 150).
Inhaltlich kann man verschiedene Gattungen unterscheiden, so etwa Klagelieder (z.B. Ps 22), Danklieder (z.B. Ps 30), Vertrauenspsalmen (z.B. Ps 23) oder Hymnen (Ps 8). Sie sind jeweils nach bestimmten Kriterien gestaltet.
Die Entstehung der Psalmen ist historisch unklar. Die Tatsache, daß viele der Lieder David, dem bedeutendsten König des Volkes Israel, zugeschrieben wurden, sagt mehr über die Interpretation als über den Ursprung der Psalmen aus; in der Mehrzahl dürften sie nach dem Babylonischen Exil entstanden sein. Ebenso bleibt offen, inwiefern die Psalmen Teil jüdischer Gottesdienste waren bzw. aus anderen Anlässen gesungen wurden.
In den christlichen Kirchen gehören Psalmen zum festen Bestandteil der Liturgie.

 



35. Neues Testament

Das Neue Testament (NT) ist nach dem Alten Testament der zweite Teil der christlichen Bibel. Es enthält die für den den christlichen Glauben zentrale Botschaft von Jesus Christus: In Jesus von Nazareth ist Gott Mensch geworden; durch den Tod und die Auferstehung Jesu hat er die Welt erlöst, so daß diese dem Weltende getrost entgegensehen kann. Der Name Testament bedeutet Bund: Er verweist auf das Wort Jesu beim letzten Abendmahl, wonach Gott durch sein Erlösungshandeln einen neuen Bund mit den Menschen schließt.

36. Aufbau und Inhalt

Im Neuen Testament finden sich verschiedene literarische Gattungen: Die Evangelien, die sogenannte Apostelgeschichte, Briefliteratur und eine Apokalypse. Die Reihenfolge und Anordnung der einzelnen Briefe ist je nach Bibelausgabe verschieden. 

37. Evangelien

In den Evangelien werden das Leben, der Tod und die Auferstehung Jesu Christi geschildert. Die ersten drei Evangelien - Matthäus, Markus und Lukas - ähneln sich in Aufbau und Inhalt; man nennt sie deshalb auch die Synoptiker bzw. synoptischen Evangelien. Das Johannes-Evangelium setzt dagegen stärker eigene Akzente setzt.

38. Apostelgeschichte

Die Apostelgeschichte schildert, wie der Name schon sagt, das Wirken der Apostel Jesu. Sie berichtet über die Anfänge der christlichen Mission und damit über die Ausbreitung des Christentums im 1. Jahrhundert n.Chr. Die zentrale Figur der Apostelgeschichte ist Paulus, der durch seine Missionsreisen das Christentum nach Europa brachte.

39. Briefe

Man unterscheidet verschiedene Gruppen von Briefen im Neuen Testament: Die paulinischen Briefe gelten als echte Briefe des Apostels Paulus. Dazu gehören der Römerbrief, die beiden Korintherbriefe,  der Galaterbrief, Philipperbrief, die zwei Thessalonicherbriefe und der Philemonbrief. Die  sogenannten Deuteropaulinen nennen zwar Paulus als Verfasser, werden aber in der Bibelwissenschaft im allgemeinen (aufgrund inhaltlicher und stilistischer Merkmale) nicht dem Apostel zugeordnet: Hierzu gehören der Kolosserbrief, Epheserbrief und die sogenannten Pastoralbriefe (1. und 2. Timotheusbrief, Titusbrief.) Der Hebräerbrief ist kein Brief im engeren Sinne, sondern eher eine theologische Abhandlung. Die sogenannten Katholischen Briefe umfassen den Jakobusbrief, die beiden Petrusbriefe, den Judasbrief und die drei Johannesbriefe.

40. Apokalypse

Das letzte Buch im Neuen Testament ist eine Apokalypse: Die "Offenbarung des Johannes" schildert die Ereignisse der Endzeit: den Kampf Christi gegen den Satan, das Jüngste Gericht und die Neuschöpfung der Erde.

41. Entstehung

Der Textbestand der Evangelien geht im Kern wohl auf mündliche Überlieferungen zurück, die gesammelt und dann schriftlich weitergegeben wurden. Bei den Briefen handelte es sich in der Regel um konkrete Schreiben zu einem bestimmten Anlaß. Den Gedanken, die Schriften zu einem Kanon zusammenzustellen, übernahm die junge christliche Kirche - zusammen mit dem Begriff Heilige Schriften - vom Judentum. Allerdings war es lange Zeit umstritten, welche Schriften im einzelnen zum Kanon gehören sollten. Aus dem Jahre 369 n.Chr. existiert eine Liste des  Kirchenvaters Athanasius, in der der Kanon des Neuen Testaments verzeichnet ist, wie er auch heute noch anerkannt wird.

42. Bedeutung

Das Neue Testament ist das entscheidende Zeugnis des christlichen Glaubens. In bezug auf seine Auslegung gibt es im Laufe der Kirchengeschichte allerdings bis heute verschiedene Problemstellungen. Das betrifft zunächst das Verhältnis des Neuen Testaments zum Alten Testament. Insbesondere die Frage, ob das Neue Testament gewissermaßen die Erfüllung des Alten Testaments ist und dieses (das ja zugleich die hebräische Bibel der Juden ist) damit überbiete, wird kontrovers diskutiert. Denn der auch christlich motivierte Antisemitismus ist bereits in einigen Äußerungen des Neuen Testaments grundgelegt, so etwa in der (historisch falschen) Andeutung, "die Juden" hätten den Heiland Jesus Christus gekreuzigt (tatsächlich waren es die Römer). Zum anderen wird - vor allem in der Gegenwart - immer wieder die Frage gestellt, wie der Anspruch des Neuen Testaments, die Botschaft der Erlösung durch die Gottessohnschaft Jesu zu sein, mit einem modernen Weltbild vermittelt werden kann. Das betrifft insbesondere die Frage nach dem Opfercharakter des Todes Jesu, nach seiner Auferstehung oder auch nach der Jungfrauengeburt.

43. Evangelien

Evangelium [von griech. euangelion = gute Botschaft].
Die Evangelien (von Matthäus, Markus, Lukas und Johannes) sind die ersten vier Bücher des Neuen Testaments. Ihr Inhalt ist das Leben und Wirken des Jesus von Nazareth: In seinen Wundern und in seiner Botschaft, vor allem aber durch seinen Tod und seine Auferstehung als Christus wird deutlich - so lautet die Botschaft der Evangelien -, daß das Reich Gottes angebrochen ist. Die Evangelien sind damit ein fundamentales Zeugnis des christlichen Glaubens.
Ihre Entstehungsgeschichte ist im einzelnen unklar. Die älteste Schicht waren vermutlich mündlich gesammelte Worte Jesu. Das Markus-Evangelium ist das älteste Evangelium; sein Text diente den Autoren des Matthäus- und des Lukas-Evangeliums als Vorlage. Aufgrund der daraus resultierenden vielfachen Parallelen in Aufbau und Inhalt spricht man bei diesen drei Evangelien auch von den sogenannten synoptischen Evangelien bzw. Synoptikern. (Der Name rührt daher, daß aufgrund dieser Parallelität die drei Evangelien in einer vergleichenden "Zusammenschau" [Synopse] angeordnet werden können.) Das Johannes-Evangelium weist dagegen eine Reihe von Unterschieden im Vergleich mit den Synoptikern auf, die auf mehrere eigenständige Quellen schließen lassen. Umstritten ist in der Forschung, ob und wie das Johannes-Evangelium dennoch von den synoptischen Evangelien beeinflußt wurde.
 

 

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