Demetrius Degen - Seminarleiter und Autor


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Mystik - vier Stufen des Glaubens

Quelle "Die Mystik in den Religionen der Welt"

Al-Junaid (ein Sufi des 9. Jh.) unterschied 4 Stufen des Glaubens

1.)
Auf der ersten Stufe befinden sich die gewöhnlichen Gläubigen, die bekennen,
daß es nur einen Gott gibt. Sie glauben aber noch an außergöttliche Mächte,
die sie fürchten oder die ihnen Wünsche erfüllen sollen.
Diese Art von Gläubigen vermag nicht jenes Maß an Anständigkeit, Gleichmut,
Wahrhaftigkeit und ethischem Verhalten in der Gesellschaft zu erreichen, das
die Religion fordert.



2.)
Die Gläubigen der zweiten Stufe glauben ebenfalls an den einen Gott.
Sie erfüllen die religiösen Pflichten gewissenhaft, so daß sie in der
Öffentlichkeit nach den Geboten des Glaubens leben. Aber sie verbinden damit
wenigstens teilweise noch den Wunsch nach Belohnung oder haben Furcht vor
Strafe.



3.)
Auf der dritten Stufe steht der Glaube an Gottes Einheit an erster Stelle.
Man betrachtet aber Gott nicht mehr als ein höheres Wesen, dessen Handlungen
man durch sein Verhalten beeinflussen kann. Man handelt vielmehr nach Gottes
Willen, der als inneres Gesetz empfunden wird, ohne Furcht und ohne Hoffnung
auf Belohnung. Das ist die Folge der Erkenntnis von Gottes Gegenwart im
eigenen Inneren, seines Rufes an den Menschen und dessen Antwort.
Aber es besteht noch das Bewußtsein der eigenen Individualität.



4.)
Auf der vierten Stufe des Glaubens verschwindet die eigene Individualität. Es
gibt nichts Trennendes und keinen Vermittler mehr zwischen dem Ich und Gott.
Der Gläubige wird zu einem Wesen, über das sich Gottes Befehle ergießen. Gott
handelt und spricht durch ihn, wie durch ein Medium. Gott bestimmt in seiner
Allmacht, daß der Mensch im fließenden Wasser der Einheit versinken soll,
vollständig losgelöst, sowohl von sich selbst als auch von Gottes Ruf an ihn
und von seiner Antwort. Das ist ein Zustand, in welchem der Gläubige die wahre
Erkenntnis der Einheit Gottes erfahren hat und in dem er Gott nahe gekommen
ist (aber nicht mit ihm eins wurde). Er hat in diesem Zustand alles Gefühl für
sein Tun verloren, weil Gott seinen Willen an ihm erfüllt hat.


... Das letzte Ziel des Sufis ist nach al-Junaid aber nicht das "Einheits-
erlebnis", sondern der Zustand nach der Rückkehr zum Bewußtsein seiner selbst.
Er besitzt jetzt die Klarheit der Gotteserkenntnis, und sein Leben ist ein
Leben in Gott. Er soll aber nicht ein von Gott geleitetes Leben in einsamer
Abgeschlossenheit führen, sondern soll in die Gemeinschaft der Mitmenschen
zurückfinden, ihnen Vorbild sein und ihnen in tätiger Liebe hilfreich zur
Seite stehen.
 

 

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