Demetrius Degen - Seminarleiter und Autor


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7, Dohle und Fuchs

Eine Dohle ließ sich auf einem Feigenbaum nieder, um ihren großen Hunger zu stillen.  Sie mußte aber feststellen, daß die Früchte noch sämtlich unreif und ungenießbar waren.  Da suchte sie sich im Geäst einen bequemen Platz und sprach vor sich hin: "So werde ich eben warten, bis die Feigen reif sind"

Das hörte ein Fuchs, der eben unten vorüberstrich, und er lachte hinauf: "Dumme Dohle, komm lieber herunter und laß dich gleich fressen, ehe du da oben verhungerst"

NACH ÄSOP
 
 

8, Die Katze

Frau Katze, was schleichst du doch dort auf dem Dache umher so hoch?  Hast du das Schwälbchen sitzen sehn, möchtest ihm gerne zuleibe gehn?  Sachte nur Schwälbchen ist klüger als du, fliegt von dannen, und du siehst zu.

Frau Katze war grämlich in ihrem Sinn, sah nur so von der Seite hin, dachte: "Das ist ein schlecht Vergnügen, daß die Vögel so können fliegende; ist dann hinab in den Hof gegangen, hat sich bald eine Maus gefangen.

WILHELM HEY (1789-1854)
 

9, Vom Kranich und Wolfe

Da der Wolf einstmals ein Schaf gierig fraß, blieb ihm ein Bein im Halse überzwerch stecken, davon er große Angst und Not hatte.  Da erbot er sich, großen Lohn und Geschenk dem zu geben, der ihm hülfe.  Da kam der Kranich und stieß seinen langen Hals dem Wolf in den Rachen und zog das Bein heraus.  Da er aber den verheißenen Lohn forderte, sprach der Wolf: "Willst du noch Lohn haben?  Danke du Gott, daß ich dir den Hals nicht abgebissen habe!  Du solltest mir schenken, daß du lebendig aus meinem Rachen kommen bist."

Lehre: Wer den Leuten in der Welt will wohltun, der muß sich erwägen, Undank zu verdienen.  Die Welt lohnt nicht anders denn mit Undank wie man spricht: Wer einen vom Galgen erlöst, dem hilft derselbige gern dran.
MAR-RIN LUTHEP. (1483-1546)
 
 



10, Die Grille und die Ameise

Eine faule Grille sang einen ganzen sommerlang und war immer ohne Sorgen für den andern Morgen.
Weil der Sommer Nahrung hat, wurde sie auch täglich satt. 
Aber als der Winter kam und der Flur das Leben nahm, da trieb sie der Hunger hin zu der Ämse: - "Nachbarin, ich bin hungrig, gib mir doch ein klein wenig nur zu leben.
Deine Kammer hat ja noch großen Vorrat, und ich will alles gern dir wiedergeben mit den Zinsen im April." "Schwesterchen, wie brachtest du deine Zeit im Sommer zu?"

"Nachbarin, du weißt's ja wohl!  Ich, die Schwester vom Apoll, sang beständig; hast du mich nicht vernommen?  Und konnt' ich, Schwesterchen, was Bessers tun?" - "Grillchen, nein Doch tanze nun"
 

LUI)WIG GLEIM (1719-1803)

 

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