Demetrius Degen - Seminarleiter und Autor


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4, Rabe und Fuchs
Ein Rabe hatte einen Käse gestohlen, flog damit auf einen Baum und wollte dort seine Beute in Ruhe verzehren.  Da es aber der Raben Art ist, beim Essen nicht schweigen zu können, hörte ein vorbeikommender Fuchs den Raben über dem Käse krächzen.  Er lief eilig hinzu und begann den Raben zu loben: "Rabe, was bist du für ein wunderbarer Vogel. Wenn dein Gesang ebenso schön ist wie dein Gefieder, dann sollte man dich zum König aller Vögel krönen!"

Dem Raben taten diese Schmeicheleien so wohl, daß er seinen Schnabel weit aufsperrte, um dem Fuchs etwas vorzusingen.  Dabei entfiel ihm der Käse.  Den nahm der Fuchs behend, fraß ihn und lachte über den törichten Raben.

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5. Der wilde Hund
Ein wilder Hund fror im Winter jämmerlich.  Er kroch in eine Höhle, rollte sich zusammen, zitterte vor Kälte und sprach vor sich hin: "Wenn es nur wieder Sommer und warm wird, dann will ich mir eine Hütte bauen, damit ich im nächsten Winter nicht mehr frieren muß."

Als aber der Sommer mit seiner wohltuenden Wärme kam, hatte er seine guten Vorsätze vergessen.

Er lag da, reckte und streckte sich, blinzelte behaglich in die Sonne und dachte nicht mehr daran, sich eine Hütte zu bauen.  Der nächste Winter war bitter kalt, und der Hund mußte erfrieren.
 

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6, Der Löwe und die Maus
Der Löwe schlief in seiner Höhle.  Um ihn her spielte eine lustige Mäuseschar.  Eine davon war eben auf einen hervorstehenden Felsen gekrochen, fiel herab und weckte den Löwen, der sie mit seiner gewaltigen Tatze festhielt.

"Ach", bat sie, "sei doch großmütig gegen mich armes, unbedeutendes Geschöpf. Ich habe dich nicht beleidigen wollen.  Ich habe nur einen Fehltritt getan und bin vom Felsen herabgefallen.  Was kann dir mein Tod nutzen?  Schenke mir das Leben, und ich will dir immer dankbar sein."

"Geh hin" sagte der Löwe großmütig und ließ das Mäuschen springen.  Bei sich aber dachte er: Nun, das möchte ich doch sehen, wie sich ein Mäuschen einem Löwen dankbar erweisen könnte.

Kurze Zeit darauf suchte das Mäuschen im Walde Nüsse.  Da hörte es ein klägliches Gebrüll.  "Das ist der Löwe", sprach es zu sich selbst, "er ist gewiß in Gefahr." Mit diesen Worten lief es der Stelle zu, von wo das Gebrüll ertönte.

Da sah es den Löwen, der sich in einem Netze gefangen hatte.  Die Stricke waren so stark, daß er sie nicht zerreißen konnte.

"Warte nur, mein Freund", sagte das Mäuschen, "da kann ich dir helfen" Es lief hinzu und zernagte die Stricke, die seine Vordertatzen gefesselt hielten. Als diese frei waren, zerriß der Löwe das übrige Netz mit Leichtigkeit.  So ward er durch die Hilfe des Mäuschens wieder frei.

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