Demetrius Degen - Seminarleiter und Autor


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Briefe zur Sparsamkeit und Bescheidenheid.

Lieber Sohn!

Vergesse nicht, dem Tobias die Quittung nebst dem Geld zu geben. Der Herr Instruktor hätte früher kommen sollen - da die Sache sich nun so verhält, so mußt Du ihm folgen.

Ich wünsche auch nicht, daß Du den I4- September zu mir kommst.  Es ist besser, daß Du diese Studien endigst. - Gott hat mich nie verlassen.  Es wird sich schon noch jemand finden, der mir die Augen zudrückt. Es scheint mir Oberhaupt ein abgekartetes Wesen in dem allem, was vorgegangen ist, wo der Herr Bruder (Pseudo) eine Rolle mitspielt. - Ich weiß, daß später Du auch nicht Lust hast, bei mir zu sein.  Natürlich, es geht etwas zu rein zu bei mir. - Du hast auch verflossenen Sonntag wieder i fl. 15 Kreuzer von der Haushälterin, diesem alten, gemeinem Kuchelmensch, geborgt. - Es war schon verboten. - Aber so geht es überall.  Mit dem Gehrock wäre ich zwei fahr ausgekommen; freilich habe ich die üble Gewohnheit, im Hause einen abgetragenen Rock anzuziehen.  Aber Herr Karl, o pfui der Schande! und weswegen?  Der Geldsack Herr Ludwig van Beethoven ist ja bloß dafür da. - Du brauchst auch diesen Sonntag nicht zu kommen; denn wahre Harmonie und Einklang wird bei Deinem Benehmen nie entstehen können. - Wozu die Heuchelei?  Du wirst dann erst ein besserer Mensch; Du brauchst Dich nicht zu verstellen nicht zu lügen, welches für Deinen moralischen Charakter endlich besser ist. - Siehst Du, so spiegelst Du Dich in mir ab; denn was hilft das liebevollste Zurechtweisen!!  Erbost wirst Du noch obendrein. Übrigens sei nicht bange: für Dich werde ich immer wie jetzt unausgesetzt sorgen.  Solche Szenen bringst Du in mir hervor - als ich die i fl. 15 wieder auf der Rechnung fand ...

Leb wohl!  Derjenige, der Dir zwar nicht das Leben gegeben, aber gewiß doch erhalten hat und, was mehr als alles andere, für die Bildung Deines Geistes gesorgt hat, väterlich, ja mehr als das, bittet Dich innigst, ja auf dem einzigen wahren Weg alles Guten und Rechten zu wandeln. - Leb wohl!
Dein treuer, guter Vater.

 

LUDWIG VAN BEETHOVEN
an den Neffen, Baden, am 14.  September i825

NUN kannst Du Dir auf Deine alten Tage auch etwas mehr zu Gute thun als bisher.  Ich habe mir das auch selbst vorgenommen, aber es gehört Entschluß dazu; man hat sich die verwünschte Sparsamkeit so angewöhnt, daß nur schwer davon loszukommen ist.  Wenn indeß für alle Angehörigen gesorgt ist, so hat man wirklich die Verpflichtung, an sich selbst zu denken.

GRAF HELMUTH VON MOLTKE
an seinen Bruder Ludwig, am I2- 4. i882

 
 

AN der Kleinkinderschule würdest Du Deine Freude haben und auch die große Schule ist gut im Gange. 85 kleine Kapitalisten haben ihre Sparbücher und einige Mark in der Provinzial-Sparkasse deponiert; es ist so wichtig, daß man frühzeitig das Sparen lernt, das wissen wir aus eigener Erfahrung.  Die neue Generation hat gleich anfangs eine Unterstützung gefunden, die keines von uns Geschwistern gekannt hat.

GRAF HELMUTH VON MOLTKE (18oo-1891)
an seine Schwester Lene, am 3o. 6. i878
 
 


 

ICH bleibe, und werde immer fester in meiner alten Überzeugung, daß es nicht Lesen und Schreiben und sogenannte Kenntnisse sind, die dem Volk und den Menschen im allgemeinen wohltun; sondern alte ererbte Maximen; darunter die, daß Verschuldung Schande und ehrliche Vermehrung seines Vermögens, für den, der Zeit hat dafür zu sorgen, ehrenvoll ist; daß jeder für seinen Beruf geschaffen ist und ganz für ihn leben, muß, wodurch sich Verstand und Urteil von selbst entwickelt, wenn es da ist ...

B. G. NIEBUHR (1776-183I)
Zirkularbrief aus Holland vom I3- 5. 1808

 
 

Mein lieber Helmuth!

ICH habe Dir das Geld geschickt, damit Du beizeiten lernst, mit Geld umzugehen.  Wenn Du den ganzen Betrag in Deinem Sparkassenbuch anlegtest, so wärst Du ein Geizhals, wenn Du ihn in kurzer Zeit verläppeItest, so wärest Du ein Verschwender; das Richtige liegt in der Mitte.
Wenn einem Geld geschenkt wird - später mußt Du es erst selbst erwerben -, so ist es gerechtfertigt, sich dafür Annehmlichkeit zu gewähren, aber klug, auch etwas für die Zukunft zu ersparen.

Wie Du mit diesen 2o Mark verfährst, so wirst Du einst mit größeren Summen wirtschaften.  Wer seine Einnahmen voll ausgibt, wird es zu nichts bringen, wer mehr ausgibt, wird ein Bettler oder ein Schwindler.

Mit herzlichen Grüßen von uns allen, Dein Opapa

Graf Moltke

GRAF HELMUTH VON MOLTKE (i8oo-i89i)
an seinen Großneffen Helmuth, Creisau, aM 22. Oktober i89o

 

VÄTERLICHE  Ermahnung an Fanny nebst einem Groschen

SPARSAMKEIT ist eine Tugend,
Während Geiz ein Laster ist.

Ach, daß unsre heutge Jugend

Dieses gar zu leicht vergißt!

Liebes Kind, ich bitt Dich drum,

Eh Du einen Kreuzer ausgiebst,

Dreh ihn zweimal, - einen Groschen

Sechsmal in der Hand herum!

Solches räth Dir Dein Berather,

Freund Lind stets

ge 3 er
Vater*

*der leider dieser goldenen Regel selbst sein Leben lang nicht nachgekommen.

FDUARD MÖRIKE (i8o4-i875)
an seine Tochter Fanny, Lorch, am g. Juni i868

DIE großen Taten der Menschen sind nicht die, welche lärmen; in der Regel sind sie Eingebungen von Affekten, die ebenso gut und sogar meistens Schwäche sein können.  Das Große geschieht so schlicht wie das Rieseln des Wassers, das Fließen der Luft, das Wachsen des Getreides.  Darum ist irgendeine Heldentat unendlich leichter und auch öfter da als ein ganzes Leben voll Selbstbezwingung, unscheinbaren Reichtums und freudigen Strebens.
 

ADALBERT STIFTER
an Emilie von Schlechta, Wien, am 8. März I847

 


 

Sehr lieber Herr Kappus:

Ich habe einen Brief von ihnen lange ohne Antwort gelassen, nicht daß ich ihn vergessen hätte - im Gegenteil: er war von der Art derer, die man wieder liest, wenn man sie unter den Briefen findet, und ich erkannte Sie darin wie aus großer Nähe.  Wenn ich ihn, wie jetzt, in der großen Stille dieser Fernen lese, dann rührt mich Ihre schöne Sorge um das Leben, mehr noch, als ich das schon in Paris empfunden habe, wo alles anders anklingt und verhallt wegen des übergroßen Lärmes, von dem die Dinge zittern.  Hier, wo ein gewaltiges Land um mich ist, über das von den Meeren her die Winde gehen, hier fühle ich, daß auf jene Fragen und Gefühle, die in ihren Tiefen ein eigenes Leben haben, nirgend ein Mensch Ihnen antworten kann; denn es irren auch die Besten in den Worten, wenn sie Leisestes bedeuten sollen und fast Unsägliches.  Aber ich glaube trotzdem, daß Sie nicht ohne Lösung bleiben müssen, wenn Sie sich an Dinge halten, die denen ähnlich sind, an welchen jetzt meine Augen sich erholen.  Wenn Sie sich an die Natur halten, an das Einfache in ihr, an das Kleine, das kaum einer sieht, und das so unversehens zum Großen und Unermeßlichen werden kann; wenn Sie diese Liebe haben zu dem Geringen und ganz schlicht als ein Dienender das Vertrauen dessen zu gewinnen suchen, was arm scheint: dann wird Ihnen alles leichter, einheitlicher und irgendwie versöhnender werden, nicht im Verstande vielleicht, der staunend zurückbleibt, aber in Ihrem innersten Bewußtsein, Wach-sein und Wissen.  Sie sind so jung, so vor allem Anfang, und ich möchte Sie, so gut ich es kann, bitten lieber Herr, Geduld zu haben gegen alles Ungelöste in Ihrem Herzen und zu versuchen, die Fragen selbst liebzuhaben wie verschlossene Stuben und wie Bücher, die in einer sehr fremden Sprache geschrieben sind.
 

RAINER MARIA RILKE (I875-1926)

an Franz Xaver Kappus, Worpswede bei Bremen, am i6.  Juni 1903
 
 

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