Demetrius Degen - Seminarleiter und Autor


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Anekdoten zur Sparsamkeit und Bescheidenheit.

Sparsamkeit erfreut

ALS DAS GEWALTIGE PRUNKSCHLOSS von Versailles im Bau war, stand eines Tages Ludwig XIV. mit großem Gefolge auf dem weiten, wimmelnden Platz, um sich am Wachsen seines Unternehmens zu erfreuen.
In seiner Begleitung befand sich auch seine Schwägerin, die deutschgebürtige Liselotte von der Pfalz (1652 bis 1722).

In scheuem Schweigen vor der Majestät des gefürchteten "Sonnenkönigs" verrichteten die Leute ihre Arbeit.

Selbstbewußt redete Ludwig seine Schwägerin an: "Ist das nicht ein Prachtstück, was ich mir da leiste?  So was gibt es bei Ihrem sparsamen Herrn Vater in Heidelberg natürlich nicht!  Der läßt höchstens die Löcher auf dem alten Schloßdach flicken."

"Mag sein, Sire", antwortete die stets schlagfertige Pfälzerin, "aber unsere Dachflicker freuen sich über solchen sparsamen Landesherrn und pfeifen und singen bei der Arbeit!"
 

Das Maß beim Trinken

EIN WIENER EDELMANN, als übermäßiger Weinzecher bekannt, suchte sich am Kanzelredner und Hofprediger Abraham a Santa Clara (1644 bis 1709) zu reiben:
"Lieber Herr Kuttenträger, wieviel zu trinken ist mir eigentlich erlaubt?" 

"Laßt das Maß des Ochsen für Euch gelten!" meinte der Pater.

Beleidigt und verwundert zugleich lachte jener:

„Oho!  Da bin ich ja wohl noch ein zahmer Vogel und bleibe dem Herrn Prediger etwas schuldig?"

Abraham aber erläuterte: "Der Ochse säuft nämlich nur, solange er Durst hat.  Ist dem natürlichen Bedürfnis genug getan, so bringen ihn weder Schläge noch Schelten dazu, weiter zu saufen.  Und darin, Freund, lerne der Mensch vom Ochsen das Maßhalten!"

Befohlene Sparsamkeit

ALS DER PPEUSSISCHE GESANDTE in London darum einkam, wie die Gesandten anderer Mächte vierspännig zu Hofe fahren zu dürfen, schrieb ihm Friedrich der Große zurück:
"Geh Er nur ruhig weiter zu Fuß, denk Er daran: hinter ihm marschieren 2ooooo Männer!"
 

Auch eine Selbstbescheidung

KAISER KARL Vl. (1711 bis 1740), der Vater Maria Theresias, war ein leidenschaftlicher und auch glücklicher "Nimrod vor dem Herrn".  Sein Vertrauter war ein Graf T.; er begleitete ihn regelmäßig zur Gamspirsch und durfte sich gelegentlich einen Scherz erlauben.  Als der Kaiser einmal ein kapitales Tier weidgerecht erlegt hatte, meinte er zu ihm:
,Dös war a Meisterschuß!  Schad', daß Majestät nit is a jager g'word'n!" "Schon gut", lächelte Karl, "bin bescheiden, hob a so z'leb'n".

 

Die Mode

NACHDEM DER KAISERIN MARIA THERESIA mehrmals vertraulich berichtet worden war, daß ihre Tochter Marie Antoinette, die unglückliche Gemahlin Ludwigs XVI., den kostspieligen Pariser Modetorheiten allzu verschwenderisch huldigen schrieb sie ihr einen mütterlich-deutlichen Brief, der mit den weisen Worten schloß:

"Man dient nicht, man bedient sieh der Mode!"
 

Das Rezept

THEODOR STORM (1817 bis 1888) hatte es wirtschaftlich nicht eben leicht.  Sein Amtsrichtergehalt mußte für Frau und sieben Kinder ausreichen.  Daher fragte ihn ein Kollege einmal verwundert, wie er solch Meisterstück fertigbrächte.

Storm antwortete: "Dahinter steckt ein Geheimnis: man muß jeden Taler, ehe man ihn ausgibt, dreimal umdrehen, und dann - erst noch ein paarmal wieder einstecken."  



 

Edel sei der Mensch, hilfreich und gut

GOETHE (I749 bis 1832) ließ in den sogenannten "Gartenhausjahren" sehr sparsam wirtschaften.  Als ihn Frau von Stein deswegen einmal ansprach, da er doch über ein ansehnliches Einkommen verfügte, bemerkte er ernst:

"Ich bitte Gott, daß er mich täglich haushälterischer werden läßt, um desto freigebiger sein zu können."
 

 


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